Tretrollertour vom Brombachsee zum Kloster Weltenburg

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Tretroller von dem Herrn Peter gekauft wurde, dass alle Welt betretrollert würde. Und diese Tour war die allererste und geschah zu der Zeit, da Äpfel an den Bäumen reiften. Und jedermann rollerte, dass er die Natur schätzen lerne, zu fernen Stätten. Da machte sich auch auf Peter aus Großweingarten, aus der Stadt Lichtenberg, in das niederbayerische Land zur Stätte des Donaudruchbruchs, das da heißt Kloster Weltenburg, darum dass es dort gutes Bier gäbe.

(Lukas hatte da mal eine ähnliche Geschichte zu erzählen – damals aber noch mit Esel. Hier jetzt eben same, same, but rather different.)

Mal in Normalform:
In dieser Woche hatte ich mal zum Spaß ausprobiert, ob ich nicht die 50km-Tour zur Vogelinsel im Altmühlsee an einem Nachmittag schön fahren könnte. Und siehe da, das hat super funktioniert!
Also hatte ich mir für das Wochenende etwas Längeres vorgenommen: so weit wie möglich durch das Altmühltal zu fahren. Zwischendrin irgendwo übernachten in der Natur. Und so viel Einkehren, wie es mir gefällt – was ich für sehr wichtig halte. 🙂

Samstag früh musste erst mal alles Gepäck überhaupt organisiert werden an den Tretroller und die Route gecheckt und der übliche Krams noch im Internet geschaut werden etc. Also kam ich natürlich erst nach dem Mittagessen los. Aber trotzdem noch bis zum Nachtlager etwa 50km – ich war selber sehr positiv überrascht.

Von der Großstadt Großweingarten über Heiligenblut (das eine haarsträubend absurde antisemitische Geschichte hat!) an das Ufer des Brombachsees und über dessen Staumauer nach Pleinfeld (dass dort vor 800 Jahren eventuell der Schöpfer des Parzival geboren wurde, war glaube ich das letzte bemerkenswerte Ereignis in diesem Ort ;-). Von dort weiter nach Weißenburg – wo nach etwa 20km erst aufgetankt werden musste: großer Eisbecher und ein Kaffee.
Über Treuchtlingen – die einen Fuchs als Maskottchen haben und davon sogar eine schöne Statue – und durch Pappenheim – mit denen der Ausspruch „ich kenn doch meine Pappenheimer“ in Verbindung steht – geht es dann in das schöne Altmühltal.

Die ganze Strecke wird übrigens auf ausgeschriebenen Fahrradwegen getretrollert. Die findet man online so halbwegs gut. Bisher ist meine Empfehlung aber, sich einfach mal eine Oldstyle-Papierkarte vom ADFC in einem beliebigen Buchladen zu besorgen. (Die Radkarte des Tourismusverbandes Altmühltal ist eher so mittelmäßig.)

Übernachtet wurde in der Hängematte. Das Altmühltal zwischen Treuchtlingen und Eichstätt hat beim Übernachten einen kleinen Nachteil: das läuft eine gut befahrene ICE- und Güterzugstrecke von Nürnberg nach München hindurch – und es ist ein Tal in dem Zuglärm wunderbar zwischen den Hängen hängenbleibt, es also überall gleich laut ist. Also ist das Ziel Nummer Eins für eine Übernachtung bei der man bis 8 ungestört schlafen kann: sei nicht in Zughörnähe. Entweder über den Talkamm, was aber mit 100 Höhenmetern spätabends verbunden wäre. Oder in dem kleinen Altmühlzipfel bei Mörnsheim übernachten, um den herum die Bahnstrecke eine Abkürzung durch einen Tunnel macht. Weil ich eh gerade ziemlich genau in dieser Ecke war, hab ich mich für Letzteres entschieden. Hängematte 5m neben der Altmühl an zwei Bäume gehängt. Kleiner Wermutstropfen: auch nur 5m von der Radstrecke – wo aber hoffentlich zwischen Dunkelheit und Frühstückszeit wenige Fahrräder und Autos durchfahren. Schlussendlich waren es 3 Radfahrer und ein Auto um Mitternacht (warum auch immer das nicht die normale Straße zwischen den Orten nehmen konnte) – und ich hab ein paar Träume gehabt, dass Prozessionen von Leuten mit Lichtern den Weg entlang kämen. 😉

Zur Abendessenszeit kam ich übrigens gerade in Solnhofen an – dem Fundort des weltberühmten Urvogels Archaeopteryx. Der dritte Fund, das sogenannte Berliner Exemplar, ist seit längerem das Maskottchen der Solnhofener Gegend. Der macht sich sowohl gut auf Fotos mit Tretrollern, und ist auch, meiner persönlichen Erfahrung nach zu urteilen, hervorragend geeignet seinen Gästen mimisch die Urzeitgeschichte zu erklären. (Hierzu jetzt mal kein Foto, das hier ist ja ein ernstzunehmender Blog. Sonst heißt es wieder, der Peter hat nur Quatsch im Kopf. Aber kleiner Tipp gegen die Langeweile beim Internetsurfen: nehmt euch jetzt augenblickliche 2 Minuten Zeit, schaut das Bild mit dem Archaeopteryx da oben nochmal an und probiert vor dem Spiegel mal, das nachzustellen. Und wenn es hinreichend gut aussieht führt es einer anderen Person vor.)
In Solnhofen folgte ich also mal wieder der bewährten Taktik, einen Einheimischen nach dem besten verfügbaren Essen zu fragen. Und siehe da, einmal die Woche – natürlich glücklicherweise genau am Samstagabend – bietet die örtliche Bäckerei, das Solnhofener Museumscafe, Pizza aus dem Holzofen an! Na da bin ich natürlich dabei!

Abends bei Pizza und später in der Hängematte kann man dann den Plan für den nächsten Tag durchgehen. Hm. Der Donaudruchbruch mit dem Kloster Weltenburg wäre ein echt gutes Ziel. „Wäre“, denn mit einer Entfernung von 105km ist das schon ein ganz schönes Eck mit einem vollgepacktem Tretroller an einem Tag. Dafür wäre ein Bier aus der ältesten Klosterbrauerei der Welt dann auch wirklich verdient. Und wo ein Wille ist, ist ja auch ein Weg.

Den ganzen Tag über also zügig fahren mit nur kurzen Pausen. Trotzdem langt es für bestimmt 5 Liter unterschiedlichster Getränke und Eis. Zwischendrin auch noch über die beeindruckende, einstmals längste Holzbrücke Europas, die Holzbrücke bei Essing, die ich bisher nur von der Briefmarke von 1992 kannte.
In der Dämmerung dann – nach 100 Kilometern ebener Strecke an der Altmühl entlang – fix noch 120 Höhenmeter Bergrücken von Kehlheim aus zur Befreiungshalle hoch und auf Waldschotterwegen wieder nach unten.

Um am Westufer der Donau natürlich festzustellen, dass die letzte Fähre des Tages (und einzige Art der Donauüberquerung der nächsten 10km!) seit 20 Minuten bereits den Fährverkehr eingestellt hat! 😐
Andererseits sind es über die Donau nur lächerliche 120m zu schwimmen. Und am Steinstrand sitzen noch Gruppen von Stand Up Paddlern und Kayakfahrern beim Feierabendbier herum. Und eine der wenigen Sachen, die bei 9 Monaten Wehrdienst nützlich für das Leben sein könnten war ja, wie man einen Rucksack mit einer Zeltplane in ein gut schwimmfähiges Paket umwandeln kann: Zeltplane hinlegen, Rucksack rein, Zeltplane außen hochschlagen zu einer hohen Bordwand und oben zusammenbinden. Geht mit Rucksäcken prima – so bin ich auch mal eine Strecke durch den Eibsee unterhalb der Zugspitze geschwommen, aber das ist eine andere Geschichte.
Müsste also mit einem Tretroller ja auch irgendwie funktionieren. Nur die Strömung war mir dann doch zu stark, um mit einer Hand das Tretrollerschwimmpaket zu halten und nur mit einem Arm da rüber zu schwimmen. Also eben Standup-Paddler gefragt, ob mir jemand den Antrieb abnehmen könnte. Eine Gruppe aus Mutter, Vater, Tochter erklärte sich nach anfänglichem Zögern dazu bereit.

In Hochgeschwindigkeit also die Zeltplane ausgebreitet und den Tretroller darauf drapiert und die Plane umgeschlungen und das Paket ins seichte Wasser gelegt. In dem Moment fiel mir dann auf, wo der Unterschied zwischen einem großen Rucksack und einem Tretroller ist: ein Rucksack hat ein großes Volumen an dem man überall am Umfang die Zeltplanen-Bordwand locker 20cm hoch ziehen kann. Ein Tretroller am Hinterrad bietet aber neben hohem Gewicht nur 5cm Bordwand – über das die ersten kleinen Wellen gleich mal hineinlaufen.
Ein geplantes Tretrollerschwimmpaket dieser Art ist eher ein Tretrollerabsaufpaket.

Zu diesem Zeitpunkt fanden die Standup-Paddler aber, dass der allgemeinen Plan witzig verrückt genug, ich entschlossen verrückt genug, als auch der momentane Schwimmpaketversuch zum Scheitern verrückt genug ist. Kurzerhand entschloss die Mutter, dass der Tretroller leicht genug und klein genug sei, um vorne auf ihr Stand Up Paddle Board zu passen. Ich solle nebenher schwimmen. Okay, wird gemacht.

In der Mitte der Donau, bei hinreichend zügiger Strömung, fällt mir dann auf, dass das schon irgendwie hinreichend riskant ist: bei einer leichten Störung und etwa 10° Kipplage des SUP würde sich mein Tretroller mit der kompletten Ausrüstung für alle Ewigkeiten in die Fluten der Donau versenken! Tja, aber Mitte des Flusses ist dann auch schon zu spät um irgendetwas positiv zu beeinflussen. 😐
Selber Wadenkrämpfe zu haben beim Vorwärtsschwimmen hilft da auch nicht sonderlich. Also nur mit den Armen und hinter dem SUP hinterherbleibend weiter. Günstigerweise liegt der Westufer-Steinstrand von dem wir aufgebrochen sind 400m flussaufwärts zum Ostufer-Steinstrand zu dem wir wollen. Also wirklich keine Schwimmmeisterleistung notwendig, egal wie viele Tretrollerkilometer einem schon in den Waden stecken und wie kalt das Wasser ist. Und die Paddlerin war auch so gut, dass der Tretroller nicht in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist!

Am Ufer angekommen großer Dank von mir an meine Mitfahrgelegenheit! Definitiv das verrückteste Transportmittel seit Langem!
Dann aber schnell zum Biergarten des Klosters Weltenburg, weil der um 20 Uhr zu macht. Tatsächlich bin ich der letzte Gast, der an diesem Abend noch vor der Schließung ankommt … und auch noch ein echtes dunkles Weltenburger Klosterbier bekam. Sehr sehr verdient. 🙂

Natürlich ging meine kluge Planung vorher auch nur ungefähr so weit, dass ich hauptsächlich Weltenburg erreichen wollte. Montag ist aber wieder Arbeitstag. Also muss man vom Feierabendbier aus wieder 120 Höhenmetern hoch, diesmal rechts der Donau nach Kehlheim, und noch ein paar Kilometer weiter zum nächsten Bahnhof. Von dort aus sind es dann nur noch drei Bummelzüge, die an jeder Milchkanne halten moderne Regionalzüge der Deutschen Bahn über Regensburg und Nürnberg bis Mühlstetten – in vorher auch nicht bedachter Sonntagstaktung natürlich. 😐
Praktischerweise darf ich bei Zugankunft um 1:22 Uhr dann nochmals 10km fahren und 120 Höhenmeter nach oben. Die habe ich dann aber doch größtenteils hoch geschoben. Man hat ja nicht eeendlos Energie…
Der Muskelkater in den nächsten Tage hielt sich aber tatsächlich in Grenzen: nicht schlimmer als nach dem Rennsteig-Marathon 2018 – also tatsächlich durchaus erträglich.

So viel also mal zu meiner ersten ernsthaften Tretrollertour mit meinem Neuen Tretroller.

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