Mit dem Tretroller zur Zugspitze – Tag 1-3: Brombachsee bis Landsberg

Meine erste Tretrollertour mit Übernachtung neulich lief ja sehr gut. Und dann waren da kurz darauf ein paar Tage Corona-ausgefallener Urlaub. Also dachte ich, ich könnte mal zur Zugspitze tretrollern. Tolles Ziel! Toller Plan!
Vom Brombachsee aus eben. Tja, sind eben 250 Kilometer einfache Strecke. Sollte ja wohl in 3-5 Tagen machbar sein.
Und natürlich wieder mit kompletter Ausrüstung zum Übernachten. Ich will ja flexibel sein. (In irgendwelchen Herbergen zu übernachten kommt eigentlich gar nicht in Frage – das fände ich irgendwie super langweilig.)
Als Ausgleich dafür: Essen gehen so oft möglich! Das ist ja das Allerbeste überhaupt am Tretrollern oder Urlaub machen generell! Eine Tretrollertour ist hauptsächlich sehr viel gutes Essen … und dazwischen eben ein bisschen Sport.

Und so geht es also am dritten Septemberwochenende los. Am ersten Donnerstag ab 14 Uhr vom Ufer des Brombachsees über Weißenburg, den Karlsgraben (super interessante Geschichte – da lernt man mehr als in der siebten Klasse im Unterricht) entlang nach Treuchtlingen und bis hinter Monheim. Nach 50km Fahrt, zwei Kaffeepausen und Abendessen, die erste Übernachtung in einem kleinen Wäldchen.

Am ersten Tag, vielleicht in Pleinfeld, ein Gemeinschaftshaus oder so mit gehäkelten Verzierungen der Fensterläden. Witzig. Weiterhin bemerkenswert hier: bis dahin gab es nur geteerte Radwege, also wohl das einzige Bild der Tour auf dem der Tretroller staubfrei ist. 🙂 Sobald man ein paar Kilometer Schotterwege gefahren ist stört einen der Staub auch nicht mehr – weil er unvermeidbar ist.
Eine nette nächtliche Altstadt. Bei Stockdunkelheit fahre ich natürlich eher nicht Tretroller. Das ergab sich, weil ich um Sonnenuntergang herum an einer Pizzeria vorbeifuhr und dort dann eine Stunde saß und aß. Nach den Abendessen fahre ich meist so 1-3km weiter, bis ich schöne Übernachtungsplätze finde. Und eben wenn es spät ist tue ich das im Dunkeln.
Nach 60km Gesamtstrecke wird am zweiten Morgen der Weißwurstäquator überquert! Dabei ändert sich das Gefühl von „gerade noch irgendwie Umgebung“ zu „krass, so weit weg kann man mit dem Tretroller echt fahren!“

Als Franke den Weißwurstäquator zu überqueren fühlt sich an, wie für die Hobbits der Brandywein: hier ist die Heimat wirklich zu Ende.
Der Lech bezaubert durch Kiesbänke aus rundgeschliffenen Alpensteinchen so sehr, dass dort auch übernachtet werden muss. Ausnahmsweise deshalb auch mal auf dem Boden statt in der Hängematte. Klar, würde wohl feuchter sein, aber das war einfach eine einmalige Gelegenheit.
Irgendwie eine witzige Darstellung.

Unbewohnte Steinkieselinsel im Lech, reizend zum hinüber Waten. Verblüffenderweise finden sich dort künstlerische Zeugnisse einer anscheinend hoch entwickelten Kultur! Homo Lechtalis würde ich vorschlagen. Erstbeschreibung könnte aber scheitern an mangelnden Knochenfunden, exorbitant laienhafter Funduntersuchung, Berühren der Fundstücke ohne DNA-freie Gummihandschuhe zwecks der Profanität besserer Bildkomposition sowie Zeitdruck zwecks wartendem Abendessen in der nächsten Ortschaft. Wird also vermutlich doch nichts mit anerkannter Hobbypaläoanthropologe als Nebenbeschäftigung…

„Die Landschaft ohne Eigenschaften“. Berühmter Roman. Kennt man ja. Erschien 1930 in einem Verlag in Augsburg in drei Bänden. Dort ist die Landschaft so eigenschaftslos, dass man die Ortschaften Nordendorf, Ostendorf, Westendorf nur noch nach ihren Himmelsrichtungen benennen konnte.

Manchmal erscheint es wichtig, ein „r“ deutlich zu schreiben. Sonst fotografiert das noch jemand und findet es … irgendwie witzig?
Noch witziger wäre natürlich gewesen, wenn sie jetzt noch eine „Arge Schnitte“ hätten.

Manche Sachen versteht man wenig: eine Bank, die hauptsächlich den Blick auf eine 3-Liter-Bierflasche bietet.
Ist das eine zeitgenössischer Beitrag der Dorfjugend für „Unser Dorf soll schöner werden“? Oder kurz: „Ist das Kunst, oder kann das weg?“

Die Kamera hat einen Modus, der sich „dramatisch“ nennt. Der übertreibt aber manchmal ein Quäntchen. Aber einmal alle 500 Bilder kann man den schon mal zum Spaß verwenden.
Landsberg am Lech. Praktisch, wenn man doch den Neutraldichtefilter mitgenommen hat.
Hinter Landsberg am Lech ein Wegweiser zum ehemaligen KZs Kaufering VII. Kann man dran vorbei fahren – wie die meisten Touristen – oder man hält eben an. Da erfährt man Wichtigeres als in manchen Museen oder Sakralbauten. Dass man der einzige Tourist ist, tut dem geschichtlichen Verstehen keinen Abbruch – vermutlich im Gegenteil.
Das hier sind die letzten erhaltenen KZ-Häftlingsunterkünfte in Deutschland. Halbrund im Boden versenkt und bepflanzt, um weniger aufzufallen bei Fliegerangriffen, weil man dort Jagdflugzeuge baute.

Die Assisi-Kapelle in Prittriching.
Sehr süß, sehr klein, sehr viel Kupfer, schnell angeschaut.
Und direkt am Radweg – „Kultur to Go“ quasi.

Das wärs also mit den ersten zweieinhalb Tage Tretrollern vom Brombachsee bis nach Landsberg. Das Allgäu und die Alpen kommen gleich in einen zweiten Beitrag.

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