Ein guter Deal

[Weil ich finde, dass diese psychodelische, bekiffte Musik zum Thema passt, würde ich jetzt jeder*m der*die Pink Floyd verträgt, hier kurz empfehlen „Live At Pompeii“ neben der Lektüre dieses Posts und des anschließenden Brand Eins Artikels anzuwerfen. Könnte hier sein oder ihr sucht euch eine Version mit 1h 01′.]

Gerade las ich einen Artikel, der mich ziemlich bewegt hat: „Ein guter Deal“ von Brand Eins.
Es geht darin um ein staatliches Programm für Drogenabhängige, die von den schweizer Krankenkassen ihr Heroin bekommen. Sauber, kontrolliert, kostenlos. „Das Hauptziel ist nicht der Entzug, sondern das Überleben.“
Mit zwei Schüssen am Tag können manche Klienten dann stundenweise an einigen Tagen arbeiten. Zum Beispiel im Bioladen LoLa in Bern. Ohne Entgelt. Denn um Geld geht es hier – zunächst einmal – nicht. Es geht um viel mehr: ein normales Leben. „Arbeit ist das beste Mittel gegen Verzweiflung“ hat der Arzt und Autor Sir Arthur Conan Doyle* gesagt, der Erfinder von Sherlock Holmes, dem berühmtesten Drogensüchtigen der Literatur.

[Anm. der Autors: *Freut mich natürlich, dass sie ein Zitat eines der wenigen Romanautoren bringen, den ich als Referenz in meine Dissertation geschmuggelt habe. Wobei „geschmuggelt“ fast übertrieben ist: ich hab ihn für die erstveröffentlichte, fachlich knallharte und ehrliche aber sprachlich sehr unorthodoxe Argumentationskette auf S.316 als q.e.d.-Hauptargument verwendet und offiziell referenziert. 🙂 ]

Zum Thema zurück:
Im Brand Eins Artikel werden dann ein paar Werdegänge der Klienten kurz überrissen – was bedrückt und betroffen macht: „Ich hatte Depressionen, habe mehrere Therapeuten verschlissen, und die Antidepressiva haben alle nicht gewirkt. Also habe ich mich mit Heroin selbst behandelt. […] Ohne Heroin hätte ich mich umgebracht, es hat mir damals das Leben gerettet. [] Ich hatte immer noch keine Lust zu leben, aber der Wunsch zu sterben wurde eingedämmt.“

Und jetzt gibt es also zumindest in der Schweiz ein offizielles und anscheinend recht gut funktionierendes System um diesen Menschen ihr Überleben zu ermöglichen. In Deutschland hingegen gibt es das erst als Pilotprojekte mit 600 Abhängigen – während 77000 noch mit Ersatzstoffen wie Methadon behandelt werden.

Erstens mal fand ich den Artikel so bewegend, dass ich tatsächlich mal etwas für einen Online-Artikel bezahlt habe – was ich sonst ungefähr nie mache. Auch weil ein unbürokratischer PayPal-Button neben dem Text stand – die von Brand Eins denken halt irgendwie mit. Und weil ich bei vielen ihrer Artikel kostenloser Nutznießer bin, gab’s halt hier mal was.

Zweitens aber fand ich die Grundidee in dem Artikel so überzeugend, dass ich sie gerne unterstützen würde. Heroin scheint ja inzwischen die Krankenkasse zu bezahlen, dafür will ich mein Geld ja auch gar nicht ausgegeben wissen. 😉 Nach kurzer Suche aber fand ich dann zwei Projekte die den Betroffenen weiterhelfen: erstens die Marianne von Weizsäcker Stiftung – weil sie sich genau mit der Integration von (ehemals) Suchtkranken befasst. Und zweitens die Mittwochs-Initiative e. V. der Evangelischen Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde in Berlin-Schöneberg – weil eines meiner Suchergebnisse zu dieser Organisation bei Betterplace.org führte und zu denen habe ich Vertrauen, weil ich Kathleen kenne, die dort arbeitet. Weiterhin sorgt sich letzter Organisation auch um Prostituierte, dafür bekommen sie auch noch mal einen Bonuspunkt.
Jetzt bekommen einfach beide Organisationen mal 75€ – aus dem üblichen einfachen Grund: weil ich es mir leisten kann und will und es anderen Menschen sehr helfen kann. 🙂

Abschließend nochmal den Link zum Originalartikel „Ein guter Deal“ von Brand Eins.

Ein Kommentar zu „Ein guter Deal

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